Das Schweizer Rentensystem ist stark, aber Reformen werden immer dringlicher

Die Schweiz hat nach wie vor eines der robustesten Rente-Systeme der Welt. 2018 lag es gemessen am Gesamtvermögen der Renten im Verhältnis zum BIP an fünfter und am Pro-Kopf-Rentenvermögen an erster Stelle.

Doch die Stunde der Abrechnung ist gekommen. Die Ersatzrate (Rente im Verhältnis zum letzten Einkommen) sank seit 2008 um mehr als zehn Prozent und wird weiter sinken. Hierbei muss beachtet werden das, auch der derzeitige Mindestumwandlungssatz nicht tragbar ist. Bei zwei Gelegenheiten haben Politiker versucht, Reformen durchzuführen die darauf abzielten, das Rentenalter anzuheben, die Beiträge zu erhöhen und die Leistungen zu senken.

Ihre Reformvorschläge wurden jedoch abgelehnt, sodass das Schweizer Rente-Systeme gegenüber den weltweit besten Systemen wie Kanada und den Niederlanden, stetig an Boden verliert.

Wird die Rente aufgrund Corona sinken?

Der Umwandlungssatz des obligatorisch versicherten Lohnes (CHF 21’330.- bis CHF 85’320.-) liegt momentan bei 6.8%. Heisst: pro CHF 100’000.- angespartem Alterskapital werden CHF 6’800.- pro Jahr ausbezahlt.

Beim Umwandlungssatz welcher bei Löhnen über CHF 85’320.- Anwendung findet, gibt es keinen fixen Umwandlungssatz und dieser sinkt seit Jahren stetig.

Während ein Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn von CHF 120’000.-, im Jahre 2002, eine Rente (aus AHV und Pensionskasse) von CHF 75’000.- erwarten durfte, sind es heute nur noch knapp CHF 60’000.-. Die Rente ist in nur 14 Jahren also um ganze 20% geschrumpft.

Sollte sich die Coronakrise weiterhin so in die Länge ziehen wie bisher, werden die angesparten Gelder, welche ohnehin bereits seit Jahren viel zu knapp geworden sind, nicht mehr ausreichen. Resultat: Die Einkommenslücke wird sogar noch grösser.

Dies könnte dazu führen, das Politiker gezwungen sind, die Umwandlungssätze weiterhin rasant zu senken und unsere Renten mehrere Tausend Franken pro Jahr tiefer als geplannt ausfallen.


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Anlagerenditen der Schweizer Pensionskassen hinken der Weltspitze hinterher

Vergleiche der Anlageleistungen von Rente-Systemen verschiedener Länder ist nicht einfach, da Systemkonstruktionen unterschiedlich sind und die Wechselkurseffekte erheblich sein können.

Wir stellen fest, dass Schweizer Fonds zwischen Anfang 2008 und Ende 2018 pro Jahr, um 60 Basispunkte gegenüber den Niederlanden und 115 Basispunkte gegenüber Kanada, schlechter performt haben.

Diese Ergebnisse sind grösstenteils auf die geringere durchschnittliche Grösse der Schweizer Fonds im Vergleich zu Niederlande und Kanada zurückzuführen. Zusammen mit den geringeren Grössenvorteilen, der weniger effizienten Auswahl der Anlageinstrumente und den schwächeren Governance- und Risikomanagementpraktiken, die damit einhergehen.

Schliessung der Lücke bei der Investitionsrendite würde erhebliche Vorteile für die Rente bringen.

Zwischen 2008 und 2018 hätten schweizerische Pensionsfonds der 2. Säule, ihrem Gesamtvermögen von 900 Milliarden Franken, zusätzliche 95 Milliarden Franken hinzufügen können, wenn ihre Investitionen auf dem Niveau Kanadas und weitere 50 Milliarden Franken auf dem Niveau der niederländischen Fonds gelegen hätten.

Denn hochgerechnet auf die gesamte Lebensarbeitszeit eines durchschnittlichen Schweizers, würde die kanadische Anlageperformance einen Sprung von 24 Prozent bei den jährlichen Rentenzahlungen bedeuten. Damit würde eine 4,5 Jahre verzögerte Pensionierung vermieden werden.

Die niederländische Anlageperformance würde die jährlichen Auszahlungen immer noch um 12 Prozent erhöhen und einen 2,3 Jahre späteren Renteneintritt vermeiden.

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Verlorenen Boden aufholen – ein Ruf nach einer ganzheitlichen Reform

Es ist möglich, diese Vorteile zu nutzen, ohne unangemessene Risiken einzugehen oder grosse Vertrauenssprünge zu wagen. Denn es erfordert lediglich die Bereitschaft, von den weltweit besten Rentenmärkten zu lernen und in folgenden zwei Bereichen tätig zu werden:

1. Schweizer Pensionskassen sollten ihre Vermögensverwaltungspraktiken stärken.

Schweizer Pensionskassen der zweiten Säule sollten ihre Investitionen auf kosteneffizientere Umsetzungsstile verlagern und dabei schrittweise mehr Risiken eingehen. Sie sollten kostspielige Investitionsvehikel wie Dachfondsstrukturen vermeiden und Möglichkeiten prüfen, mehr von ihrem Vermögen intern zu verwalten.

Im Laufe der Zeit werden sie wahrscheinlich keine andere Wahl haben, als ihr Engagement in risikoreicheren Anlageklassen zu erhöhen. Um solche Investitionen jedoch wirksam zu überwachen, sollten sie ihre Anlage- und Risikomanagementkapazitäten stärken. Schweizer Fonds sind oft personell dünn besetzt und im Gegensatz zu ihren anspruchsvolleren ausländischen Konkurrenten zu sehr von externen Managern und Beratern abhängig.

2. Aufsichtsbehörden sollten veraltete Zwänge beseitigen und gleichzeitig die Rechenschaftspflicht über Leistung fördern.

Die Aufsichtsbehörden sollten die Anlagevorschriften für das Schweizer Rentensystem der zweiten Säule modernisieren. Die bestehenden Vorschriften definieren die erlaubten Anlagekategorien und legen die Grenzen für die Anlage in jede dieser Kategorien fest. Dies steht nicht im Einklang mit internationalen Best Practices und birgt die Gefahr, dass negative Anreize für die Entscheidungsträger der Pensionskassen geschaffen werden.

Die Leistung der einzelnen Fonds sollte auch transparenter und leichter vergleichbar sein. Die Rechenschaftspflicht der Entscheidungsträger würde erhöht werden und die Gesamtergebnisse verbessern.


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